Das perfekte Trailrunning-Foto Teil IV: Nachbearbeitung

28. Februar 2016 in FotografieTrailrunning

Waaasss???? Du bearbeitest deine Bilder? Das geht doch gar nicht? Wie kannst du nur? Die Bilder sollen wie früher von der Kamera aufgenommen gezeigt werden!

Quark! Immer wieder eine lobenswerte und nette Diskussion wenn es um die Bearbeitung von Bildern geht. Natürlich dürfen Bilder bearbeitet werden. In einem gewissen Maße macht dies sogar die Kamera für dich (ausser die fotografierst im RAW-Modus). Sobald du ein Foto aufnimmst wird es in der Kamera verarbeitet, justiert und komprimiert. Also nachbearbeitet.

Davon abgesehen: Wie früher? Auch vor der Digitalkamera wurde nachbearbeitet. Nannte sich „Dunkelkammer“. Schärfe, Farbe, Kontrast, Retusche, all das wurde in dieser Kammer bearbeitet. Wesentlich aufwendiger, aber es wurde gemacht.
Heute ist unsere Dunkelkammer digital und nennt sich Photoshop, Gimp, Pixelmator und Co.

eBook "Das perfekte Trailrunning-Foto"

eBook „Das perfekte Trailrunning-Foto“

Mehr Infos zum eBook findest du hier.

Nachbearbeitung gehört dazu!

In meiner Auffassung sollte ein Bild nachbearbeitet werden. Nicht immer, aber zumindest wenn es mehr als nur ein Andenken oder Schnappschuß sein soll. Dies macht, neben der Perspektive oder dem Motiv, auch einen Teil deines Stils aus. Wiedererkennung ist in der Fotografie wie auch in der Malerei ein wichtiger Punkt.

Trailrunning like a Hippie. Autsch! Das tut in den Augen.

Trailrunning like a Hippie. Autsch! Das tut in den Augen weh.

Doch auch der eigene Stil und der Wille zur Nachbearbeitung muss Grenzen haben. Daher

Übertreibe es nicht!

Inzwischen kein Pro-Tipp mehr und doch wird es so oft missachtet. Die Bilder werden zu stark manuipuliert und sehen nicht mehr natürlich oder im schlechtesten Fall wie „auf Speed“ aus. Farb- und Kontrastregler bis zum Anschlag lassen die Bilder zu Hippe-Werken ausufern.

Bleibe dezent in der Bearbeitung.

Die Software

Bildbearbeitungsprogramme gibt es wie Sand am Meer. Die Wichtigsten sind:

  • Adobe Photoshop
  • Adobe Lightroom
  • Pixelmator
  • Gimp (ähnlich Photoshop, aber OpenSource)
  • Usw.

Mein Favorit ist Photoshop. Natürlich ist es eine Kostenfrage. Nur um ab und zu ein Bild zu bearbeiten musst du nicht das preisintensive Premium-Produkt von Adobe nutzen. Einfache, aber gute, Alternativen wie Pixelmator reichen völlig aus.

JPG vs. RAW

Um das bestmögliche aus deinem Bild heraus zu holen empfehle ich im RAW-Format zu fotografieren. (Sofern deine Kamera dies unterstützt).

Im Gegensatz zum JPG wird das Bild mit den Rohdaten gespeichert und nicht komprimiert. Dadurch erhöht sich der Speicherbedarf (ein RAW-Bild ist ca. 28MB groß), aber du hast alle Möglichkeiten der Nachbearbeitung. Beim JPG wird das Bild nach der Aufnahme aufgrund der internen Einstellungen bereits verarbeitet und komprimiert. Durch die Komprimierung verliert das Bild auch (Farb-)Informationen (weshalb es kleiner ist) wie bei der Manipulation dann fehlen.
Wenn es geht, dann RAW!

Vitamin Berge in dein Postfach

Kein Spam. Kein Scheiß




Bitte beachte die Datenschutz-Erklärung.

Möglichkeiten und Ideen der Nachbearbeitung

1. Format/ Beschneidung

Das immer gleiche Format mit 3:2 oder 16:9 ist langweilig. Warum nicht mal extremes Panorama/ Breitbild? Natürlich musst du dabei beachten wofür das Endprodukt gemacht ist. Für Facebook oder Internet ist es völlig egal. Willst du es aber drucken, dann musst du die Formate der Druckerei beachten.

Reduzierung au das Wesentliche: Änderung des Formates

Reduzierung auf das Wesentliche: Änderung des Formates

2. Farben (I) – Stimmungen verstärken

In einem gewissen Rahmen kannst und sollst du die Farben nachbearbeiten. Zum Beispiel wenn es bedingt durch verschiedenen Lichtquellen zu extrem falschen Farbtönen kommt oder das noch etwas „Pepp“ benötigt.
Farbänderungen und Tönungen/ Farbfilter können auch eingesetzt werden um Stimmungen noch stärker heraus zu stellen.
Blau = Kalt
Orange = Warm

Stimmungen durch Farben verstärken

Stimmungen durch Farben verstärken

3. Farben (II) – Schwarz-Weiß

Manchmal darf ein Bild auch die Farbe gänzlich verlieren. Fokussierung auf das Wesentliche und erzeugen einer Dramatik. Besonders beliebt ist schwarz-weiß bei Portraits (Nahaufnahmen von Läufern oder Fans)

Schwarz-weiß ist immer eine Möglichkeit um Konturen hervorzuheben

Schwarz-weiß ist immer eine Möglichkeit um Konturen hervorzuheben

4. Kontrast anpassen

Um noch etwas aus (farblich) flauen Bildern heraus zu holen, kannst du den Kontrast erhöhen. Damit das Endbild jedoch nicht zu silhouettenartig erscheint, darfst du nicht zu extrem an den Reglern spielen.

Kontraste erhöhen

Kontraste erhöhen

5. Tonwertkorrektur

Sollte dein Foto zu dunkel oder der Kontrast zu flau sein kannst du auch mit der Tonwertkorrektur versuchen noch etwas aus dem Bild heraus zu holen. Dies nutze ich meist bei Bildern welche ich während eines Wettkampfes mit der Panasonic Lumix im JPG-Format aufgenommen habe. (Da mir dort die Möglichkeiten der RAW-Aufnahme fehlt) Dem Ganzen sind natürlich Grenzen aufgezeigt. Was zu dunkel ist bekommst du auch nicht mehr hell! Daher im Zweifel etwas überbelichten. (+1/3 wenn es an deiner Kamera einstellbar ist)

Das Wetter beim ZUT 2015 war bescheiden. Es war dunkel und ich musste die Helligkeit mittels der Tonwertkorrektur erhöhen.

Das Wetter beim ZUT 2015 war bescheiden. Es war dunkel und ich musste die Helligkeit mittels der Tonwertkorrektur erhöhen.

6. Schärfe/ Nachschärfen

Vor allem wenn du im RAW-Format bearbeitest hast du die Möglichkeit die Schärfe nachträglich noch um einiges zu verbessern. Gerade bei Bildern mit geringer Tiefenschärfe kannst du das fokussierte Objekt noch besser rausholen.
Wichtig: Nicht zu extrem schärfen! Bei Programmen wie Pixelmator gibt es eine „(Stärker) Schärfen“ bzw. „Härten“ Funktion. Davon solltest du nur spärlich Gebrauch machen. Sonst kann das Bild wie gemalt oder wie eine Strichzeichnung wirken.

Fokus durch Schärfung

Fokus durch Schärfung

7. Vignettierung

Der dunkle Rand ist eine mehr als eine Modeerscheinung welche mit Instagram aufgetaucht ist. Der Unterschied zwischen Hell-Dunkel lenkt das Auge des Betrachters auf das Wesentliche. Stell die einen Tunnel vor: Du blickst in Richtung Ausgang, in Richtung Licht.

Vignettierung: Der bessere "Rahmen"

Vignettierung: Der bessere „Rahmen“

Die Bilder nachzubearbeiten ist für mich ein Teil der Fotografie geworden. Es macht Spaß und bereits beim fotografieren überlege ich mir wie es in Photoshop angepasst werden soll.

Am Besten du probierst aus was dir gefällt und holst (ehrliches!) Feedback. So lernst du am schnellsten.

Du hast jetzt die passende Ausrüstung, dein Blick für Motive und Perspektive hat sich verändert und jetzt ist dein perfektes Trailrunning-Foto auch nachbearbeitet.

Was fehlt noch?

Was macht dich aus? Was ist dein Stil! Darum wird es in der nächsten und letzten Folge gehen.

Bearbeitest du deine Bilder?

Meinungen & Diskussion

Ich freue mich auf rege Diskussionen und vor allem deine Meinung.
Bitte beachte vor dem Schreiben deiner Meinung/ Kommentar bitte die Datenschutzerklärung.

  1. Kommentatoren Gravatar Steve sagt:

    Ja, die Bearbeitung gehört für mich auch schon immer dazu. Teilweise schafft es die kleine Kamera einfach nicht das Bild so darzustellen wie es wirklich war und da ist man dankbar, wenn Photoshop noch etwas rausholen kann.
    Mein liebstes Werkzeug sind dabei die Tiefen und Lichter. Gerade wenn der Hintergrund zu hell ist, hilft dieses Werkzeug ungemein und zaubert so manche Berge ins Bild, die man auf dem Foto zuvor nicht gesehen hat.
    Teilweise liebe ich auch überzeichnete Bilder mit extrem Schärfe oder starkem Kontrast…aber da muss die Stimmung passen. Es geht nicht bei jedem Motiv.

    btw: Echt coole Serie…weiter so!

    Viele Grüße aus Bad Reichenhall

    1. Kommentatoren Gravatar Robert sagt:

      Danke Steve.
      Ja, es ist krass was man aus scheinbar blöd belichteten Bildern noch rausholen kann.
      Und irgendwie ist es immer so: entweder zuviel oder zu wenig Licht.

  2. Kommentatoren Gravatar Oliver Huber sagt:

    Hi, ich bin da ganz deiner Meinung, wenn Bilder im Web veröffentlicht werden z.B. in einem Blog, sollten diese nachbearbeitet werden. Ich nutze eine Sony SLR Kamera und wenn ich im Winter mit Schneeschuhen unterwegs bin, habe ich keine Zeit und Lust mich mit den Kameraeinstellungen zu befassen. Bei Sony gab’s die Software Capture One dazu, die für 50,-€ zur Vollversion aufgestockt werden kann. Hier kann ähnlich wie bei Photoshop unglaublich viel aus ansonsten langweiligen Bildern heraus geholt werden, Voraussetzung ist natürlich das RAW-Format. Servus Oli

    1. Kommentatoren Gravatar Robert sagt:

      Danke Oliver. Das mit RAW sehe ich genau gleich. Wenn es die Möglichkeit gibt, immer nutzen.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.